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Where do we go now?

Die letzten Tage waren doch recht aufregend. Nachdem klar war, dass wir Freitag (den 22.03.) zunächst Antwerpen und nicht Hamburg anlaufen werden, gab es in der Einfahrtsschneise dorthin denn auch gleich ein riesiges (Schiffs-)Getümmel.

Später informierte uns der zweite Offizier darüber, dass einer der zwei Zugangskanäle zum Hafen für die nächsten 6 Wochen gesperrt ist. Daher kann jeweils nur ein Schiff nacheinander in den Ziellauf gehen. Und das dauert. Wir jedenfalls ankerten seit Donnerstagnachmittag. Erst gegen 01:30 Uhr in der Früh wurden die Motoren wieder gestartet. Dichter Nebel verlangsamte die Fahrt zusätzlich und so liefen wir statt morgens um 06:00 Uhr erst gegen Nachmittag in Antwerpen ein.

Lustig zu diesem Zeitpunkt war auch die Kommunikation mit Seabridge, dem Unternehmen, über das wir diese Frachtschiffreise gebucht haben. Wir hatten angefragt, ob es möglich sei das Schiff bereits in Antwerpen zu verlassen. Bis zuletzt (praktisch bis kurz vor der Hafeneinfahrt) versicherte man uns dort weiterhin, dass Hamburg vor Antwerpen angelaufen wird und somit kein Handlungsbedarf besteht. Nun ja. Immerhin haben wir jetzt schon einmal die Freigabe unseres Autos seitens der Reederei von Seabridge per Mail erhalten. Jetzt müssen wir nur irgendwann dort nicht nur theoretisch ankommen.
Europa empfing uns mit bestem Wetter und wir verfolgten mit Spannung den von 2 erfahrenen (Hafen-)Piloten unterstützten Anlandungsvorgang. Unglaublich, wie wendig und feinfühlig so ein großes Schiff zwischen zwei ebenso großen anderen per “Joysticks” eingeparkt werden kann. Das ist wirklich Millimeterarbeit, und am Ende sind zwischen Schiff und Kai nur noch geschätzte 1-2 Meter Wasser übrig.

Sofort danach begannen die ersten Lade- und Entladetätigkeiten an Land. Riesige Container, ein Monster-Siemens Generator, mehrere Minis wurden herangefahren, um auf die Atlantic Sail geladen zu werden. Gleichzeitig kamen die großen Kräne zum Entladen der an Bord befindlichen Container. Parallel zu den Decksaktivitäten gingen Inspekteure an Bord, die sowohl die Sicherheitsmittel wie auch den Rest des Schiffes in Augenschein nahmen.
Vom Ergebnis dieser Inspektion ließen sich zunächst nur Gerüchte und hektische Betriebsamkeit auf der Brücke feststellen. Es hieß, dass Schäden festgestellt wurden. Später, dass es sich um “einen Riss” in der Außenhaut eines Compartements handelt, durch den Wasser eindringt. Sehr beruhigend.
Wir konnten den Funksprüchen von der Brücke entnehmen, dass die weitere Beladung des Schiffes gestoppt wurde und lediglich die Entladeaktivitäten weitergehen. Das hat bis heute Vormittag (Samstag, 23.03.) auch noch nicht aufgehört. Nach mitternächtlicher Rücksprache mit dem Kapitän muss die Atlantic Sail in einem für diese Schiffsgröße geeigneten Trockendock aus dem Wasser gehievt und geschätzte 2 Wochen lang repariert werden. Nur wo ist noch nicht klar. Nach seiner Aussage sind solche Docks auf 1 Jahr im Voraus ausgebucht. Rotterdam, Hamburg und irgendein Hafen in Frankreich wären geeignet. Die Verhandlungen über Termine und Kosten laufen wohl noch. Für die Reederei bedeutet das pro Ausfalltag Kosten in Höhe von 60-100.000 Euro.
Zu unserer Beruhigung bestätigte uns der Kapitän nach wie vor die Fahrt nach Hamburg. Dort wird das Schiff dann aber für die Weiterfahrt von Fracht und Passagieren außer Betrieb genommen. Was das für die drei gestern zugestiegenen Passagiere bedeutet, die nach Halifax fahren wollten, wissen wir nicht. Und ob uns das irgendwie beruhigt, mit einem Riss im Schiff von Antwerpen nach Hamburg zu fahren, weiß ich auch nicht. Spannung und Aufregung haben wir also bis zuletzt.
Wir versuchen uns derweil parallel einen Überblick über die bis zu meinem Arbeitsbeginn am 01.04. anstehenden notwendigen Formalitäten zu verschaffen: Wiederanmeldung in Deutschland (setzt Wohnungsgeberbescheinigung voraus, die ich erst mit Unterzeichnung eines Mietvertrags erhalte. Außerdem benötige ich einige Unterlagen, die ich erst bei meiner Schwester holen muss), Krankenversicherung abschließen (Wiederanmeldung vorausgesetzt), Arbeitslosmeldung für die restlichen Märztage (muss an Tag 1 meiner Rückkehr erfolgen, da nur bei persönlicher sofortiger Meldung ein Anspruch besteht), etc. etc. Es ist jetzt schon klar, dass ich einiges (z.B. Betriebsarzt) erst werde wahrnehmen können, wenn ich wieder arbeite. Aber ich kann es nicht ändern. Das Schiff mit seiner Verspätung von mittlerweile 8 Tagen setzt mich schon etwas unter Druck. Auch hier bleibt es also bis zuletzt spannend.

One Comment

  1. Jürg

    Bei diesem Stress braucht ihr ja schon bald wieder Urlaub! Trotzdem noch gute Heimreise und einen erfolgreichen Wiedereinstieg.

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