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Utopie in der Wüste

Ich hatte im Reiseführer gelesen, dass sich circa 100 Kilometer nördlich von Phoenix eine Experimentalstadt, oder besser gesagt eine Stadtutopie befindet, die eine Besichtigung wert sei. Der Architekt Paolo Soleri hatte sie 1970 vor dem Hintergrund der unendlich in die Breite wachsenden Großstädte Amerikas 1970 gegründet.
Er, der ursprünglich aus Italien stammte, besuchte 1947 die USA und begleitete Frank Lloyd Wright eineinhalb Jahre lang als Schüler. Später siedelte er nach Arizona über und entwickelte FLWs städtebauliche Ideen, sowie die Idee der auf Taliesin West und Ost zwischen dem Architekten und seinen Schülern gelebten Gemeinschaft weiter. Paolo Soleri war der Überzeugung, dass sich die flächenmäßige Ausdehnung von Großstädten schlecht auf die Menschen auswirkt, da nichts mehr in erreichbarer Nähe ist oder alternativ Vorstädte entstehen, die dann wiederum Städte in der Stadt sind. Es wird jeden Menge Infrastruktur und Energie vergeudet, damit Menschen ihr großes Bedürfnis nach dem eigenen Haus, der eigenen Villa, dem eigenen Auto, etc. erfüllt sehen. Ganz anders war seine Vision: Statt in die Breite sollte seine Stadt in die Höhe gehen. Auf wenig Fläche sollten bis zu 5000 Einwohner Platz finden. Autofrei natürlich und nur über Rolltreppen und Gehsteige verbundene kulturelle und gemeinschaftliche Zentren enthalten.
So sah das ursprüngliche Modell von “Arcosanti” aus:

Davon wurden allerdings bis heute nur 3% tatsächlich verwirklicht. Und statt in die Höhe zieht sich die Experimentalstadt derzeit doch nur in die (wenn auch geringe) Breite.

70 ständige Einwohner leben in der Utopie, die so gut gedacht aber bisher so wenig umgesetzt wurde. Warum? Mir wurde das nicht wirklich klar. Anscheinend sind der Teamspirit und die Bereitschaft zum Engagement unter Mitbringen entsprechenden Kapitals in der Moderne etwas in Mitleidenschaft gezogen. Es gibt nach wie vor fast monatlich angebotene Workshops, 6-wöchige Lehrgänge, die samt Kost und Logis über 2000 USD kosten und in denen man sich aktiv beim Weiterbau beteiligen darf oder muss. Waren dazu in den Anfängen des Projekts noch 300 Menschen pro Workshop bereit, sind es jetzt nur noch 10. Entsprechend langsam geht der Ausbau von Statten und die derzeitigen Bewohner haben sich schon lange von der Idee verabschiedet, dass die Stadt in ihrer Lebenszeit auf tausende Einwohner anwachsen könnte. Auch die ursprüngliche Idee der Selbstversorgung mit entsprechenden Gewächshäusern, deren Umluft als Heizung durch die Häuser ziehen sollte, liegt derzeit brach.
Lediglich die Fertigung von Glocken aus Kupfer wird weiter als Einnahmequelle vorangetrieben (Hier ein Blick auf die Werkstatt):

Ich fand die Architektur des bestehenden Komplexes wirklich schön, die Ein- und Ausblicke wunderbar.

Ich konnte mich in die Utopie der Stadt hineinversetzen und finde die Idee von viel Gemeinschaft auf wenig Raum bei gleichzeitig geringer Ausnutzung natürlicher Ressourcen tragbar und anschaulich. Wahrscheinlich liegt es an meinem gegenwärtigen Hang zur Minimalismus-Strömung. Tatsächlich habe ich bisher noch keine meiner eingelagerten Sachen vermisst und finde, dass der Bus zum Leben völlig ausreichend ist. Mehr ist eigentlich nicht notwendig.
Nach der Führung genoss ich für sage und schreibe nur 12 USD das mit frischen Zutaten wunderbar hergerichtete Lunch-Buffet und kam so doch noch zu meinem, einen Tag verspäteten, Truthahn. Sehr lecker!

Und für alle die, die nach meinem Friseurbesuch meine Locken vermisst haben: Hier sind sie (mangels Fön) wieder:

3 Comments

  1. Alex Waldi

    Das ist echt eine tolle Reise, die ihr da macht! Ich lese euren Blog immer mal wieder und denke jedes Mal, dass ihr unglaublich viele Erfahrungen macht und Bilder mitnehmt. Einen kleinen Teil dieser Reise (Westküste, Death Valley, Las Vegas usw. konnten wir uns auch schon mal anschauen.
    Wünsche euch weiter viel Spaß und tolle Erlebnisse! VG Alex

  2. Heike Löwer

    Wieviel Luxus welcher Art braucht “Minimalismus” ?

  3. Liebe Anke,
    wenn ich im Vorfeld Eurer Reise bei Eurer Beratung nur geahnt hätte, wie wichtig Haare und Frisur für Dich sind. Du hattest mich, während wir noch in Südamerika unterwegs waren, nach unseren Erfahrungen zur möglichen Mitnahme und dem Betrieb eines Föhns im VW-Bus auf einer solchen Reise befragt. Andrea und ich gehen nie zum Friseur, weil wir irgendwie selber schnipseln. Franzi hat in ihren 20 Jahren zweimal einen Friseurladen von innen gesehen. Einmal davon in Bolivien. Daher waren wir vielleicht nicht die kompetentesten Berater bei solch einer kritischen Frage.
    Ich hatte Dir (als unwissender Mann mit ähnlicher Frisur wie Thorsten und ohne Dich je zuvor getroffen zu haben) empfohlen, lieber über eine andere und somit föhnfreie Kurzhaar-Frisur nachzudenken. Das war wohl ein echter Lapsus. Aber nichts für ungut. Wie ich lese, findest Du ja Deinen Weg.
    Liebe Grüße von Christian (Team Tigerente)

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