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Highway to hell

Auch den Canyonlands Nationalpark eroberten wir zunächst per Wanderung. Diese ungezähmte, atemberaubende Naturkulisse im Herzen des Colorado Plateau erschlossen wir uns mit einer Wanderung zum Mesa Arch, durch dessen Steinbogen man einen ersten Blick auf die grenzenlose Landschaft erhaschen kann. Anschließend begaben wir uns auf den 1,5 Kilometer langen Wanderweg am Grand View Point, der am Klippenrand entlang führt und großartige Ausblicke auf die gut 100 Kilometer weite Landschaft mit steilen Standsteintürmen und gähnenden Schluchten bietet.

Dort oben sahen wir dann auch die kleine Straße, White Rim Trail genannt, die auf einer durchgehenden 400 m unterhalb der Wanderwege führenden Sandsteinstufe verläuft. Der Reiseführer schrieb, dass diese ein “besonderes Erlebnis für Liebhaber von Geländetouren in relativer Einsamkeit” sei. Von oben sah das wirklich toll aus, diese schmale Spur da unten, die so wunderbar paradiesisch entlang der Schluchten führte.
Nach unseren weiteren fußläufigen Erkundungstouren hielten wir also am Abend nochmals im Visitorcenter an, um uns nach den Straßenkonditionen zu erkundigen, und ob der Kutter dafür geeignet sei. Der Ranger ging mit uns nach draußen und meinte, dass wir auf jeden Fall genug Bodenfreiheit hätten und der White Rim Trail aufgrund der trockenen und sonnigen Verhältnisse recht gut zu befahren sei. So kauften wir für den folgenden Tag ein Backcountry Permit für 30 USD einschließlich einer Übernachtung relativ am Anfang der Strecke. Alle weiteren Campingplätze und Tage waren bereits ausgebucht und so planten wir am übernächsten Tag einen reinen Fahrtag für den restlichen Trail ein.
Wir übernachteten auf öffentlichem Land einsam und unter wunderschönen Sternenhimmel mit sichtbarer Milchstraße und brachen am nächsten Morgen nach dem ersten Kaffee früh auf. Vor der Einfahrt in die Mineral Bottom Road spielte ich bei Thorsten noch Friseur und so begaben wir uns frisch frisiert in die ersten Kurven. Das Ganze fing recht harmlos an. Auf den Serpentinen taten uns eher die Fahrradfahrer leid, die uns entgegengeradelt kamen und offensichtlich Blut schwitzten. Einige wenige stiegen ab, doch die meisten quälten sich bergauf durch den steinigen Pfad und sahen alles andere als entspannt dabei aus. Wir machten eine Foto- und Videosession und genossen den grandiosen Ausblick auf das Tal des Green River.

Unten angekommen war die Landschaft nicht minder schön. Entlang des Flusslaufs blühen die Bäume noch in allen Farben, die Temperatur hatte angenehme 17,5 Grad, die Sonne schien und die Straße war auch noch ok. Wären da nur nicht diese circa 30-40 Zentimeter tiefen Spurrillen gewesen. Diese stammen wohl aus nassen und dann schlammigen Zeiten, haben sich allerdings jetzt verfestigt und es bleibt immer nur kurz Zeit um sich zwischen links oder rechts obenauf zu entscheiden. Ein Abrutschen wäre bei unserer, dann doch immer noch geringen Bodenfreiheit nicht so schön. Insofern nahm die Anspannung zu.

Dann kam ein sehr sandiger Abschnitt, der auch über tiefe Spurrillen verfügte und auf dem sich der Kutter ganz schön in Schräglage bewegte. Ich legte weite Teile der Strecke zu Fuß zurück um nach der besten Fahrspur Aussicht zu halten und Thorsten dirigieren zu können. Zwischendurch war ich auch froh, nicht im Auto sein zu müssen, denn von Innen sah das Ganze noch viel bedrohlicher aus.

Doch es sollte noch schlimmer kommen. Im nächsten Abschnitt tasteten wir uns entlang eines schmalen Pfades, auf dessen einer Seite steile Klippen, teils mit hervorstehenden Felsen und Steinen und auf dessen anderer Seite der Abhang zum Fluss drohte. Auch hier stieg immer einer von uns aus, um zu verhindern, dass wir mit unserem Hochdach irgendwo hängenbleiben bzw. nicht zu nah in Richtung Fluss geraten.

Teils waren diese Abschnitte auch sehr steil und das andere Ende nicht zu sehen. Das ist bei unserer derzeitigen Kutterlage das Schlimmste, denn zwischen 1000 und 2000 Umdrehungen haben wir deutliche Performanceverluste. Geben wir im ersten Gang nicht genug Gas und ist es zu steil, geht der Kutter einfach aus. Das passierte dann auch einige Male. Geben wir allerdings zu viel Gas und kommen nach der Kuppe in ein bisher unsichtbares Schlagloch oder eine Steinstufe, wie zuletzt passiert, dann endet das schlechtesten Falls mit Achsbruch oder platten Reifen. Zwischendurch roch es verbrannt und wir kamen zu dem Schluss, dass dies wohl die Kupplung war. Nach einem letzten bösen Sprung über einige spitzkantige Stufen beschlossen wir jedenfalls umzukehren und sowohl uns als auch den Kutter vor weiterem Schaden zu bewahren.

Der White Rim Trail ist einfach nicht VW-Bus geeignet. Mit 6 Liter Hubraum, entsprechendem Bums und Bodenfreiheit ist das Ganze sicher ein Spaß, für uns war es eher der Highway to Hell. Insofern waren wir froh, als wir die Serpentinen vom Anfang wiedersahen und konnten beim Hochfahren sogar wieder Lachen.

Die wenigen Stunden Offroadfahren hatten uns so mitgenommen, dass wir im Anschluss um 19:30 die Augen zumachten und erst am nächsten Morgen um kurz nach acht wieder aufgewacht sind.

One Comment

  1. Jürg Vögeli

    Crazy guys!

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