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Eine diebische Elster

Laut “Welt” sind die Klugheit und List des eleganten schwarz-weißen Vogels sprichwörtlich und das Gehirn der Elster gehört zu den am höchsten entwickelten unter den Singvögeln. Es gibt sogar Opern, die nach ihr benannt sind: Die diebische Elster.
Je nach Kontinent ist die Figur der Elster eher negativ (als Unheilsbote in Europa) oder positiv (als Glücksbringer in Asien) belegt. Ich bin ja bekanntermaßen Vogelfreund. Aber dieses Mal schließe ich mich der europäischen Interpretation an.
Als ich Ende März diesen Jahres meine Steuererklärung wie immer über “Elster” online versandte, wähnte ich mich bei den Glücklichen, die früh und ehrlich ihre Steuer erklärt und damit auf der Reise zusätzliches Taschengeld zurück erwartet hatten. Aber weit gefehlt. Anfang Oktober sandte mir meine Schwester per Mail ein Anschreiben des Finanzamts Weinheim zu, welches mich aufforderte, doch endlich meine Steuererklärung abzugeben.
Dies rief bei mir erst einmal nur ein müdes Lächeln auf das Gesicht. Ich schrieb an die etwas kryptische E-Mail Adresse des Finanzamts und erklärte, dass ich diese bereits online abgegeben habe.
Frau W. schrieb mir zurück, dass sie die Erklärung nicht finden könne und ich mich erst über einen postalisch zugesandten Code authorisieren müsse. Sie selbst nutzt offensichtlich das durch ihren Arbeitgeber herausgegebene Programm nicht. Andernfalls wüsste sie, dass die Authorisierung die allererste Voraussetzung zur Nutzung von Elster Online ist, die lange vor einem möglichen elektronischen Versand der Steuererklärung zu erfolgen hat. In einer möglichst diplomatischen Mail sandte ihr die Transferticketnummer sowie die Information, dass mir eine elektronische Annahmebestätigung vorliege. Das beeindruckte sie nicht, wies sie mich doch ein 2-tes Mal darauf hin, dass die Steuererklärung in Weinheim nicht auffindbar sei. Ich solle die Daten doch bitte ausdrucken, unterschreiben und nach Weinheim senden. Meinen Einwand, dass ich keinen Drucker im VW-Bus mit mir führe, ließ sie nicht gelten.
Ich versuchte daraufhin, die Elster Hotline zu erreichen: Per E-Mail mit Screenshots der Annahmebestätigung sowie des Transfertickets und mit Bitte um Aufklärung des Vorgangs. Prompt kam eine E-Mail zurück, dass aufgrund des hohen Anfrageaufkommens in nächster Zeit nicht mit einer Antwort zu rechnen sei. Die Tage später eingetroffene Antwort erwies sich leider auch nicht als hilfreich, wies sie mich doch darauf hin, dass man mir nicht helfen könne und nur die Elster-Administratoren mit der Transferticketnummer nachverfolgen könnten, wohin die EKS gegangen ist. Ich kontaktierte die Hotline im Anschluss per Telefon und erläuterte meinen Fall. Der nette Herr am Telefon meinte, dass meine Verantwortung mit Eingang der elektronischen Annahmebestätigung endet und die nette Dame vom Weinheimer Finanzamt sich doch bitte an ihre Elster-Beauftragte wenden solle.
OK. Ich schlug gegenüber Weinheim einen etwas ernsteren Ton an und wies darauf hin, dass ich gemäß DSGVO seit Mitte Mai einen nochmals verschärfteren Anspruch darauf habe, zu wissen was mit meinen personenbezogenen Daten denn nun geschehen sei und schlug vor, dass Frau W. sich mit ihrer EDV-Abteilung auseinandersetzt. Die nächste Mail aus Weinheim war dann einen Ton freundlicher. Sie räumte mir eine Verlängerung bis Ende Februar 2019 ein und hatte mir der IT-Abteilung telefoniert. Diese konnte wohl herausfinden, dass meine Steuererklärung auf dem hessischen Landesserver vorliegt. Leider sei technisch aber ein Austausch zwischen Hessen und Baden-Württemberg nicht möglich. Ich müsse die Verlängerung daher dazu nutzen, die hessischen Kollegen zu einem Ausdruck zu überreden…
Wieso und warum meine Daten in Hessen sind und warum das Finanzamt Limburg (meinem alten Wohnsitz) dennoch auch keinen Zugriff auf die Steuererklärung hat, weiß nur Gott allein.
Es ist schon ein Witz, dass ich gezwungen war, das PDF meiner Erklärung, per (potentiell) unsicherem E-Mail Weg an meine Schwester zu senden, die sie mir ausgedruckt und von ihr unterschrieben an das Weinheimer Finanzamt gesandt hat.
Gott sei Dank hatte ich ihr im Vorfeld bereits entsprechende Vollmachten eingeräumt und hoffe, dass wenigstens diese in Weinheim noch auffindbar sind…
An dieser Stelle auch ein großes Dankeschön an Dich, Schwesterherz.

P.S.: Das Beitragsbild ziert keine Elster, sondern ein Truhthahngeier. Der war einfacher zu finden.

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