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Beringer, Omega One und Artesa

Die Geschichte fing in Jenner, am Highway I, an. Wir fuhren gerade gemütlich in der kalifornischen Sonne die Küste entlang, als uns in Jenner ein kleines Café mit Außenterrasse auffiel. Wir hielten an, parkten den Kutter und setzten uns mit einem leckeren Milchkaffee nach draußen. Die Aussicht auf die Lagune war wunderbar. Wir beobachteten viele Pelikane auf dem Wasser und im Vorbeiziehen. Dazu hörten wir Livemusik zweier Musiker, die ihr Handwerk verstanden:

Es war so herrlich in der Sonne, dass wir beschlossen, unseren Musiknachmittag noch etwas auszudehnen. Und so zogen wir vom Café in die benachbarte Weinbar um, von deren Außenterrasse wir der Musik weiterhin lauschen konnten. Es wurden ein Barbera und ein Cabernet Sauvignon gekostet. Wir genossen beides bei einer sehr leckeren Salami-Käse-Nüsse-Platte. Die gab es eigentlich nicht auf der Karte. Aber nachdem Thorsten nach etwas Käse gefragt hatte, zauberten die Inhaber just durch Einkauf im gegenüberliegenden Geschäft einen neuen Eintrag auf ihr Menü. Uns schmeckte es wunderbar. Thorsten etwas besser (er trank eine ganze Flasche Wein über den Nachmittag verteilt). Während dieses musikalischen Tages durften wir John Hart persönlich kennenlernen, dessen Cabernet Sauvignon mir so gut geschmeckt hatte und der sich uns als Winzer vorstellte. Es entwickelte sich ein nettes Gespräch. Und aus diesem erwuchs die Idee, noch am selben Abend die Küste zu verlassen (nicht ohne 2 Flaschen Wein im Gepäck) und seine Weinhandlung am nächsten Tag zu besuchen. Gesagt, getan standen wir um 11 Uhr am nächsten Morgen zur nächsten Weinprobe in Healdsburg auf der Matte.

Zwar trafen wir nur John Hart’s Tochter, die war aber nicht weniger amüsant als er. Und mit 2 weiteren Flaschen, von denen wir nur 1 bezahlen mussten, ging die Reise weiter.

Als Weinliebhaber konnten wir das Napa Valley natürlich nicht außen vorlassen.

Mit mehr als 800 Weingütern verteilt auf 50 Kilometer Tal gab es hier viel zu sehen. Von klein bis sehr pompös. Wir fingen bei Beringer an, 2 Brüdern aus Mainz, die um 1850 nach Kalifornien ausgewandert waren. Das Weingut ist in mehrere, prächtige Gebäude unterteilt und wir entschieden uns für die Weinprobe im ehemaligen Herrschaftshaus, in dem die Sammlerweine gelagert werden.

Für Sage und Schreibe 45 USD kosteten wir 3 Weine, deren Flaschen jeweils 170 USD kosten. Und was soll ich sagen: Wir waren mehr als enttäuscht. Das Ambiente war zwar wunderbar und wir redeten uns die Weine zunächst auch schön. Aber ganz ehrlich: nie würden wir diesen Preis für eine Flasche so schlechten Weines ausgeben. Unsere Meinung ist diesbezüglich natürlich subjektiv, hat doch jeder einen anderen Geschmack. Der Eine mag herbe Noten, der andere fruchtige, manche mögen den Geschmack nach Kirsche und Schokolade, einige die Tannine. Selbst Farbe und Geruch sind ausschlaggebend. Wir jedenfalls verließen Beringer ohne Wein in Flaschenform.

Am selben Abend versuchten wir uns über Google ein Bild darüber zu machen, wie wir aus den mehreren Hundert Weingütern die besten herausfinden. Diese Frage lässt sich natürlich genauso wenig einfach beantworten. Doch ein Weinkritiker hatte sich die Mühe gemacht, die Bewertungen aus Tripadvisor und Yelp zusammenzuführen und sich selbst durch persönliche Besuche zusätzlich ein Bild zu machen. Von den auf der Seite empfohlenen 10 besten Weingütern konnte man 5 nur über Vorreservierungen besuchen. So entschieden wir uns nicht für Omega One, dafür aber für Artesan.

Auf den Hügeln zwischen Napa und Sonoma gelegen, bietet es eine wunderbare Aussicht auf die weite, hügelige Landschaft, vereinigt Kunst mit gelungener Architektur und ließ uns einen ersten Blick auf San Francisco erhaschen. Wir begaben uns zum Empfang wo uns eine nette Dame darüber aufklärte, dass es Weinproben zu 35 und 45 USD gebe. Wir hatten im Internet gelesen, dass es auch eine für 55 USD gibt und fragten danach. Ja, sagte sie das wäre die 45 USD Probe, aber auf der Außenterrasse eingenommen und sie müsse erst fragen, ob es hier noch Platz für uns gäbe. Gesagt getan, kam sie mit der Antwort zurück, dass wir das erste der 6 Wein(probier)gläser auf der Terrasse, die anderen 5 aber im gläsernen Innenbereich von Artesans Weinbar einnehmen müssten. Wir ließen nicht locker und nach einigen Minuten des Überzeugens führte sie uns auf die im Übrigen leere und nur von einem weiteren Paar besetzte Aussichtsterrasse.

Ich vermute, unsere Bustaugliche Kleidung hat sie nicht direkt davon überzeugt, dass wir auch Geld haben, aber der weitere Verlauf des Nachmittags ließ diesen Wermutstropfen schnell trocknen. Wir probierten den hauseigenen, pfirsichfarbenen Brut und tasteten uns dann über einen Chardonnay, 2 Pinot Noir, 2 Käseplatten und 2 weitere Cabernet Sauvignon in den Abend vor. Nebenbei hatten wir noch viel Spaß beim Rätseln über unser benachbartes Paar. Thorsten und ich waren uns nicht einig, ob es sich nun um ein Bewerbungsgespräch in der Mode- oder Immobilienbranche oder um ein erstes Date unter Reichen handelte. Die Gesprächsthemen waren jedenfalls äußerst interessant und die beiden Persönlichkeiten auch. Am Ende lockte uns Artesan mit dem Angebot, dass bei Mitnahme von 6 Flaschen Wein der Preis für das Tasting und die Verpflegung entfällt (immerhin rund 170 USD), worauf wir gern eingingen. Seitdem ist unser Kutter vollgepackt mit Wein und wir werden uns noch einige Wochen lang an die schöne Zeit im Napa Valley zurückerinnern.

One Comment

  1. Jürg Vögeli

    Wo bleibt das weinselige Portrait der Schreiberin???

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