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196 USD Strafe

Wir hätten die Weinproben im Napa Valley gern fortgesetzt, aber irgendwann findet alles Schöne einmal ein Ende. Und so setzten wir unseren Weg gen San Francisco fort. Während der Fahrt sah ich zufällig das Marine County Civic Center aus dem Augenwinkel, das ich als Fan von Frank Lloyd Wright kannte. Wir nahmen die nächste Abfahrt und parkten vor der Tür. Wie es der Zufall so will, waren wir zur rechten Zeit am rechten Ort und kamen gerade recht zu einer nur einmal wöchentlich stattfindenden Führung durchs Haus. Wir waren begeistert über die Architektur des Gebäudes: Organisch in die umliegenden Hügel eingebettet und noch heute modern ist es doch auch ein Zeichen seiner Zeit. Die sich wiederholenden Ornamente (Kreise und Ellipsen) geben dem zweiflügligen öffentlichen Gebäude einen wunderbaren Charme.
So beflügelt kamen wir zurück zum Kutter, nur um unter unserem Scheibenwischer einen Strafzettel zu finden. Thorsten, der ihn als Erster entdeckte, las den Zettel gefühlte 10 Minuten lang. Das machte mich doch etwas stutzig, denn er ist ja sonst durch Nichts zu erschüttern. Ich fragte ihn danach und er reichte mir den Zettel mit dem Kommentar: 196 Dollar Strafe!
Das konnten wir Beide zunächst nicht glauben. OK, wir hatten auf einem auf 2 Stunden begrenzten Parkplatz geparkt, der allerdings als kostenfrei ausgewiesen war. Zwar hatten wir keine Parkscheibe hinterlegt und waren ein paar Minuten zu spät von der Führung zurück, allerdings hatte auch kein anderer Fahrer eine Parkscheibe oder einen Parkschein im Fenster. Ich war geschockt, Thorsten war entrüstet. Klar sind die Strafen in den USA höher als in Deutschland aber für eine fehlende Parkscheibe 196 USD zahlen? In unserer Aufregung fragte uns eine Passantin direkt, ob wir Hilfe bräuchten. Wir zeigten ihr den Strafzettel und sie war die Erste, die ihn gründlich las. Dort stand Zitat: “Expired Registration / No Fees paid” bzw. im Kommentar “California Registration and Plates Required”. Das konnten wir uns nun gar nicht mehr erklären. Ich wurde immer aufgeregter und konnte nicht mal mehr darüber lachen, dass Volkswagen seit heute ein neues Modell in seiner Palette führt: “Volkswagen, Modell Terranger”.

Thorsten hatte im Gebäude, das ja der öffentlichen Verwaltung dient und auch das County-Gericht inkludiert, 2 Sheriffs gesehen und schlug vor, den Vorfall direkt vor Ort zu klären. Ich glaubte nicht daran, dass dies mit den Polizisten des Gerichts zu klären sei, folgte ihm aber ins Gebäude. Auf einem der Gänge hielt Thorsten einen an uns vorüber gehenden Mann an und wir fragten ihn nach dem Büro des Sheriffs. Er sagte, mit denen im Gebäude könnten wir nichts anfangen, und nannte uns im Anschluss die Telefonnummer des Sheriff-Büros in San Rafael. Ich war beeindruckt. Wer kennt schon die Nummer seiner zuständigen Polizeistation auswendig? Wie auch immer. Er erklärte uns, dass wir dort anrufen sollten, sagen wo wir geparkt haben und die zuständigen Kollegen würden uns dann dort treffen.
Ich rief im Sheriffbüro an (auch das erste Mal in meinem Leben), wurde kurz in der Leitung gehalten, und hinterlegte dann unseren Standort. Die Wartezeit nutzte Thorsten, um Kaffee zu kochen und ich, um Unterlagen herauszusuchen, die beweisen, dass wir das Fahrzeug hierher verschifft haben, dass es versichert ist, etc. Mein Güte, ich war wirklich einmal wieder mit den Nerven am Ende. Thorsten überhaupt nicht.
Die Passantin, die zuvor ihre Hilfe angeboten hatte, erwähnte, dass selbst die Angestellten der öffentlichen Verwaltung öfter Strafzettel bekämen und dass eine Frau in einem kleinen Auto regelmäßig und täglich den Parkplatz kontrolliert (was genau sie kontrolliert, da die ganze Parkfläche ohne Gebühr zur Verfügung steht, sollte sich mir erst später erschließen). Kurze Zeit später traf die Polizistin in ihrem kleinen Auto, einem Jeep, ein: Ob wir hier leben würden? Oder arbeiten? Woher wir das Auto hätten? Sie stellte offensichtlich schnell fest, dass wir aufgrund des Akzents unmöglich zu den echten Amerikanern gehören können. Sie erklärte uns dann, dass wir bei einem Aufenthalt von 20 Tagen oder mehr in den Staaten, später sprach sie nur noch von Kalifornien, einen Aufkleber auf dem Kennzeichen bräuchten und unser Fahrzeug registrieren lassen müssten. Hmmm, das erschien mir dann doch irgendwie merkwürdig. Sie sagte, dass Kalifornien sehr umweltbewusst und die Zulassung Pflicht sei, etc., etc. Dies sei natürlich mit einem deutschen Diesel-Auto jetzt etwas schwierig. Irgendwie steckte sie den Strafzettel dann aber ein und sagte, sie kümmere sich darum und dass der Vorfall vergessen sei. Sie hoffe, dass wir die Reise ohne weitere solche Strafzettel fortsetzen könnten. Ich fragte kurz vor ihrem Gehen, wie wir denn nun vorgehen müssten, um unser Auto legal in Kalifornien zu fahren. Sie antwortete ausweichend bis gar nicht, was mich jetzt wirklich völlig stutzig machte. In den Reisevorbereitungen hatte ich nichts darüber gelesen und ich behaupte von mir, dass ich diese sehr gründlich gemacht habe. Heute Abend (17.10.) habe ich nochmals im Internet recherchiert: Alles völliger Quatsch. Selbstverständlich muss man sein Auto auch hier zulassen und registrieren. Allerdings auch als Ausländer nur dann, wenn man hier lebt und/oder arbeitet. Etwas Anderes konnte ich zumindest im Internet nicht finden.
Was neben fehlender Zulassungen auf dem Parkplatz noch kontrolliert wird, wurde klar, als eine Frau unser Gespräch mit dem Sheriff kurz unterbrach: Sie entschuldigte sich bei der Polizistin schon im Vorhinein dafür, dass sie sehr nah an der Parkplatzbegrenzungslinie geparkt, aber keine andere Möglichkeit gehabt habe, weil der neben ihr auch so weit auf einer Seite steht. Und ob das ok sei?
Hmmmhhhh, sehr seltsam, nach was die Gesetzeshüter Kaliforniens so schauen.

One Comment

  1. Jürg Vögeli

    Hi, ihr beiden! Ja, die Beamten in den USA können sehr arrogant und stur (weil meistens nicht sehr intelligent) sein, habe ich einmal erlebt, als ich in L.A. bei rot über einen Fussgängerstreifen ging, weil kein Verkehr kam und es sehr heiss war. Ich hätte deswegen vor Gericht erscheinen sollen…, eine Busse habe ich nicht sofort bezahlen können. Da ich keine Wohnadresse angeben konnte, wurde ich nicht weiter verfolgt.

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