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66 Meilen für ein Steak

Seit 6 Monaten (und damit betone ich das Bergfest, das wir gestern (06.10.) gefeiert haben) haben wir keine Metzgerei von innen gesehen. Thorsten vermisst seine Lyoner und hofft in jeder Ortschaft neu, dass sich doch noch eine findet. Fleischabteilungen hat zwar jeder Supermarkt, aber so manches mal lassen diese außer Speck und Frühstücksbratwürsten andere Wünsche offen. Zwar gibt es immer Steaks, aber entweder sind sie ganz billig oder sehr teuer. Zuletzt hatten wir ein zähes Luder, das mit einem Aufkleber “zum Marinieren geeignet” versehen war. Wir wissen jetzt auch warum (wahrscheinlich hätten 4 Tage einlegen in Buttermilch geholfen).
Auf dem Weg zurück vom Crater Lake an die Westküste fuhren wir über den Upper Klamath Lake. Er ist für seine Zugvogelschwärme bekannt und wir konnten viele, viele davon beobachten. Einschließlich einiger weißer Pelikane, die wie aufgereiht an der kleinen Bootsanlegestelle Halt gemacht hatten.

Wir fuhren gerade auf der 66 Richtung Ashland als uns wieder einmal der Fleischhunger überkam. Die Orte auf der Strecke waren winzig und ich hatte wenig Hoffnung, dass der Grocerystore in Keno unsere Träume erfüllen könnte.

Wir fanden einen Salatkopf, aber nicht das Gewünschte von den hiesigen, riesigen Rinderherden. Thorsten beschloss zu fragen. Ein Augenblick, in dem ich immer denke, daß das doch eh aussichtslos ist. Aber der junge Mann hinter dem Tresen verschwand mit Thorsten zu einer der Gefriertruhen und schwärmte von dem Fleisch. Wir steckten unsere Köpfe hinein und fanden 2 New York Steaks: dick und gut aussehend mit einem schmalen Fettrand versehen. Sie sahen bereits gefroren zum Anbeißen aus und ich konnte ein weiteres Mal nicht glauben, dass Kommunikation doch zu einem Ergebnis führen kann.
Erst im Auto sahen wir, dass es sich um Dry Aged Fleisch handelt, welches wir schon in Deutschland zu lieben begonnen hatten. Kurz vor Ashland fuhren wir daher relativ früh am Nachmittag auf einen Campingplatz am See, der für 20 USD inklusive heißer Dusche ein schönes Nest bot. Am Nachbarcampingplatz fanden wir Holzscheite und entfachten ein heißes, loderndes Lagerfeuer. Wir warfen die Steaks darauf und grillten mit Hingabe. Es entstand eine wunderbare Kruste. Innen war das Fleisch noch schön medium rosa. Der Geschmack war unglaublich gut und wir fingen an, uns zu fragen, warum wir eigentlich nur 2 Steaks mitgenommen hatten.
Am nächsten Morgen googelte ich gleich nach dem Hersteller. Es handelte sich um die Prather-Ranch in Kalifornien, die sich auf die biologische Zucht und Fütterung ihrer Tiere spezialisiert hat. Ich suchte auch nach entsprechenden Verkaufsstellen und wir beschlossen, die 66 Meilen zurück nach Klamath Falls zu fahren. In Keno erinnerten sich alle noch an uns und konnten nicht glauben, dass wir wegen der Steaks zurückgefahren waren. Wir griffen aus der kleinen Gefriertruhe, was uns noch unterkam (2 Ribeye, 2 New York Steaks) und fuhren weiter nach Klamath Falls zu Howards Meat Center. Und der stellte sich als richtige Metzgerei heraus. Man musste eine Nummer ziehen, um an die Reihe zu kommen und allein mit uns waren 10 Kunden im Verkaufsraum. Es scheint sich also herumgesprochen zu haben, dass es dort gutes Fleisch gibt.

Wir kauften nochmals ein T-Bone Steak, Bratwürste, Wiener sowie Pfefferbeißer. Zitat aus Howards Meat Center: ” I am a 2nd hand vegetarian. The cow eats grass and I eat the cow”.

Von Klamath Falls aus musste auch ein neuer Weg an die Küste gesucht werden. Wir beschlossen daher, den Weg zu “unseren” Kühen zurückzuverfolgen und die Prather-Ranch in Macdoel zu besuchen. Die war riesig. Mit eigener Heu- und Feedranch, sowie hauseigenem Metzgereibetrieb. Und wir sahen die gutaussehenden Kühe auf der Weide stehen. Eine riesige Herde. Die Tiere sehen gesund, frisch und “lecker” aus und es war ein schönes Erlebnis zu wissen, woher das Fleisch kommt, welches wir in unserer Kühlbox haben.

Von der Ranch aus fand unser Navigationssystem dann eine Abkürzung in Richtung Hornbrook. Wir hätten es nicht gedacht. Aber sie führte uns wirklich 54 Kilometer durch eine Gravel Road des dortigen National Forest. Die Strecke war eine Herausforderung, aber auch irgendwie schön.
Und die >66 Meilen für die Steaks hatten sich wirklich gelohnt (das T-Bone Steak ist schon verspeist).

One Comment

  1. Jürg Vögeli

    Wow, mir läuft noch abends um halb zehn das Wasser im Mund zusammen. Ja, wir haben nach einiger Zeit gemerkt, dass das billige, aber zähe Fleisch unten in der Kühltruhe liegt (Flat iron steak zum Beispiel, Trix hatte sich die Bezeichnung gemerkt, weil es so zäh war!), das zuoberst ist das teuerste, aber dann halt auch beste Steak. Wir essen Trauben von unseren Reben und schöne, grosse, gebratene Kastanien von Lidl, Fleisch ist sehr teuer in der Schweiz…

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