Skip to content

Cannes im bezaubernden Port Townsend

Nach unserem Grenzübertritt bogen wir in Bellingham in ein Visitorcenter ab, um uns mit neuem Kartenmaterial zu versorgen. Dieser Besuch sollte sich als wahrer Glücksfall erweisen, denn wir erhielten von der äußerst netten, ehrenamtlich tätigen älteren Dame die Information, dass es auch andere Wege auf die Olympic Peninsula gibt, als den langweiligen über die Highways und Seattle. So fuhren wir auf der Whidbey Island einen wunderbaren Scenic Drive der Küste entlang und nahmen in Coupeville die 30-minütige Fähre nach Port Townsend.
Und dort stolperten wir in das über die Grenzen von Washington hinaus bekannte “Port Townsend Film Festival”, das vom 21.-23.09. stattfand und 19-jähriges Jubiläum feierte.

Als wir gegen Abend ankamen und durch die wunderschöne viktorianische Hafenstadt schlenderten, sahen wir zunächst nur die OpenAir-Bühne, auf der jeweils abends, bei freiem Eintritt und mit Sitzen aus Strohballen ein “alter Schinken” gezeigt wurde (z.B. King Lion, A hard day’s night).
Erst, nachdem uns einer der Passanten sein Programmheft überlassen hatten, konnten wir das volle Ausmaß des Filmfestivals in Augenschein nehmen: In 7 parallelen Theater- und Kinosälen wurden über den Tag verteilt jeweils 5 unterschiedliche Filme gezeigt, teils unter Teilnahme der Filmemacher, Autoren und Schauspieler, die im Anschluss an die Aufführung für Fragen zur Verfügung standen.

Da die Eintritte je Film bzw. für einen ganzen Tag sehr teuer waren (40 USD für einen und z.B. 100 USD für 6 Filme) wählten wir die Tracks im freien Theater. Hier war es unter Ergatterung von Tickets eine Stunde vor Vorstellungsbeginn möglich, kostenlos bzw. gegen einen geringen Spendenbetrag Filme zu sehen.
Nachdem wir relativ früh am Morgen in der Marina für je 1,25 USD heiß geduscht hatten (welch eine Wohltat!), saßen wir um 09:30 Uhr bereits im Key City Free Theater. Was dann folgte, war ein 5-Stunden andauerndes Berührtsein, ins Taschentuch weinen und wiederholt tiefes Durchatmen nach vielen Szenen. Und das waren die Filme:

  • “Woody’s Order!”
    Ein wunderbarer Kurzfilm, in dem die Schwester eines mehrfach Behinderten ihr Aufwachsen und Leben mit ihrem Bruder in eine wunderbare Erzählung verpackt, die sie ihm auf der Bühne vorliest. Es sind also lediglich diese beiden Personen zu sehen und Fotos bzw. Kurzfilme aus ihrer beider Vergangenheit. Aber die Geschichte, wie sie von Ann Talmann so authentisch und ergreifend geschildert wird, ist wahrlich berührend.
  • “Intelligent Lives”
    Ein wunderbarer Film über 3 heranwachsende, behinderte Jugendliche, die über die Hürden von IQ-Tests und Nicht-Integration fallen und am Ende doch noch ihren Collegeabschluss machen, Kunst studieren bzw. in einem Schönheitssalon arbeiten.
  • “A whole world for a little world”
    Der Kurzfilm fing harmlos an. Eine Mutter erzählt ihrer 2-jährigen Tochter die Geschichte einer Prinzessin, wie diese ihren Prinz fand und wie sie schließlich eine kleine, wunderschöne Tochter bekamen. Die Szenerie spielt in einem Wohnzimmer und gefilmt wurde jeweils die Erzählerin und im Anschluss an kurze Textpassagen jeweils die toll authentischen Baby-Reaktionen (z.B. Lachen, Klatschen, Begeisterungslaute, etc.). Ganz anders als in Hollywood gab es aber kein Happy End. Der Film endete mit der Erzählung über den bevorstehenden Krebstod der Mutter und der Absicht des Films, dem Kind etwas Bleibendes zu hinterlassen. Wahnsinn, die Wendung und das in weniger als 15 Minuten.
  • “Blur Circle”
    Eine Geschichte über die Mutter eines vermissten Kindes und den Umgang mit dem Weiterleben nach seinem Verschwinden. Sie verdächtigt Alles und Jeden der Entführung oder Ermordung, filmt Männer in Parks die ihr verdächtig erscheinen. Sie trägt 2 Jahre lang dieselbe Kleidung wie am Tag des Verschwindens, damit ihr Sohn sie bei seiner möglichen Rückkehr wiedererkennt. Bei ihren schrägen Aktionen lernt sie andere schräge Vögel kennen, die auch jeweils ein Schicksal tragen und es entstehen Freundschaften und Wahrheiten. Manche davon in einer Dusche, die mitsamt Duschvorhang einen Beichtstuhl improvisiert. Ein Wahnsinnsfilm!

Wir waren Beide nach den Filmen ganz weich, berührt und ergriffen. Was für ein (ungeplantes!) Glück zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein!
Dazu kam dann noch ein wunderbarer abendlicher Restaurantbesuch bei einem romantischen Thai mit super authentischer (scharfer!) Küche. Die 2 Tage in Port Townsend hätten wirklich schöner nicht sein können!

One Comment

  1. Sylvia

    Das versöhnt doch bestimmt mit dem unfreundlichen Empfang an der Grenze 😄
    Und jetzt kommt ihr in immer wärmere Gefilde, nichts ist mehr mit Bibbern bei – 6,5 Grad ✌🏻
    Liebe Grüße Sylvia

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

* Checkbox GDPR is required

*

I agree

Cookie-Einstellung

Bitte treffen Sie eine Auswahl. Weitere Informationen zu den Auswirkungen Ihrer Auswahl finden Sie unter Hilfe.

Treffen Sie eine Auswahl um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Hilfe

Hilfe

Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Volle Funktionalität:
    Jedes Cookie wie z.B. Tracking- und Analytische-Cookies (Third-Party-Cookies)
  • Eingeschränkte Funktionalität:
    Nur Cookies von dieser Webseite (First-Party-Cookies)
  • Keine Kekse:
    Es werden keine Cookies gesetzt, es sei denn, es handelt sich um technisch notwendige Cookies.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Impressum/Disclaimer/Datenschutz.

Zurück