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Grenzerfahrung

Vom Ende des Steward Cassiar Highway aus fuhren wir am Donnerstag, den 20.09. über Prince George nach Cache Creek und von dort bis 20 Kilometer vor Vancouver.


Freitag, den 21.09. fuhren wir nach Vancouver oder besser gesagt ohne anzuhalten durch. Entweder hatten wir das falsche Eingangstor in die Stadt erwischt oder Vancouver zeigte sich aufgrund des schlechten Wetters nicht von seiner guten Seite. Es gibt z.B. in Chinatown unendlich viele Obdachlose, Drogenabhängige und diverse andere nicht eben vertrauenserweckend aussehende Gestalten. Und neben diesen Gestalten waren ebenso viele Zelte und anderweitige Übernachtungsplätze auf den Bürgersteigen eingerichtet. Zugegeben: Etwas weiter in der Innenstadt gab es auch Versace-Geschäfte und weitere Luxus-Boutiquen. Bis dahin war uns allerdings bereits die Lust vergangen, weitere Zeit mit einer Besichtigung zu verbringen. Wir fuhren daher, lediglich mit einem Alibifoto der Skyline bewaffnet, direkt weiter nach Aldergrove, um dort die Grenze zu den USA erneut zu überqueren.

Nach circa 20 Minuten Wartezeit erreichten wir mit einem Kilometerstand von 103.681 (und damit 28.758 gefahrenen Kilometern ab Halifax!) ein Grenzerhäuschen, auf der vermeintlich korrekten Fahrspur (Commercials and RVs). Der Grenzbeamte fragte uns, was wir in “seiner Spur” machen und teilte uns mit, dass wir ein “normales” Auto seien. Zugegebenermaßen sind wir mit unseren 18 Fuß lächerlich klein gegenüber den Wohnmobilen, die hier so herumfahren. Dann fragte er uns, wie lange wir in den USA bleiben wollen. Ich sagte, dass wir ja am 09.12. ausreisen müssten. Er daraufhin: “Das war nicht meine Frage”. OK, bloß nicht herumdiskutieren. Unsere Antwort war dann “Ende März”. Schon hielten wir einen orangenen Zettel in der Hand, der uns nicht nur eine Autoinspektion ankündigte, sondern auch ein Kreuz bei Formular I-94 aufwies. Das kannte ich schon, denn ich hatte im Internet nach einer Visaverlängerung recherchiert. Und diese Suche war auch schon auf das mehrseitige Formular gestoßen.
Wir fuhren vor ein furchteinflößendes Gebäude auf die Inspektions-Fahrbahn. Nur um dort auf einen noch furchteinflößenderen Grenzbeamten zu stoßen, der unsere Pässe in der Hand hielt.
Den nachfolgenden Dialog muss man sich so vorstellen: Ein circa 1,85 Meter großer Schrank mit harschem, äußerst autoritärem und seeehr ernsten Gesichtsausdruck blickt auf mich (1,65 Meter) herunter und mir rutscht während des ganzen Gesprächs das Herz in die Hose.
Aus dem Gedächtnisprotokoll:

  • Er: Wann und wo sind sie in die USA eingereist?
  • Wir: (als hätte er das nicht im Stempel des Passes sehen können…) Top of the world highway, 09.06.
  • Er: Wie lange waren sie jetzt in Canada?
  • Wir: Ein paar Tage.
  • Er: Wie lange möchten Sie in den USA bleiben?
  • Wir: Ende März. Anfang April beginnen wir beide wieder in unserem Beruf.
    Danach folgte eine längere Ausfrage/Diskussion zu unseren beiden Jobs.
  • Er: Wir haben Ihnen bereits 6 Monate gegeben. Das ist sehr lang. Warum sollten wir Ihnen jetzt eine weitere Verlängerung geben?
  • Wir: Wir hatten Probleme mit unserem Auto, warteten auf Ersatzteile, mussten daher insgesamt 3 Monate in Alaska bleiben.
  • Er: Warum reisen sie dann Ende Dezember nicht nach Kanada aus?
  • Wir: Zu kalt. Bei Minusgraden friert unser Wasser im Auto ein.
  • Er: Dann eben Richtung Panama
  • Wir: Ja, das wäre unser Plan, wenn wir keine Verlängerung bekommen.
  • Er: Na also.
  • Wir: Aber dort ist die Sicherheitslage kritisch und wir haben Angst davor.
  • Er: Hmmmm, hmmmm.
    Dann verschwand er mit unseren Pässen nach hinten. Und ab diesem Zeitpunkt möchte ich gar nicht wissen, welche Recherchen er über uns angestellt hat.
  • Er, nach 10 Minuten zurück: Können Sie uns irgendwelche Rückflug-/Rückverschiffungspapiere zeigen? Wir möchten sichergehen, dass sie die USA im Anschluss auch verlassen.
  • Wir: Haben wir nicht. Die Verschiffungspläne stehen erst 2-3 Monate vor dem Termin fest.
  • Er verschwindet wieder mehrere Minuten nach hinten. Dann: OK. Wir geben Ihnen weitere 6 Monate ab dem heutigen Datum. Dann werden Sie ganz sicher ausreisen!
  • Wir: Ja, sicher.

Wir bedankten uns noch 1000-Mal, zahlten 12 USD und ließen die Autoinspektion über uns ergehen, in der 2 kanadische Tomaten aus unserem Kühlschrank beschlagnahmt wurden.
Selbst Thorsten war von der ganzen Prozedur und der furchteinflößenden, kalten Atmosphäre geschockt.
Aber im Ergebnis dürfen wir jetzt bis 21.03.2019 bleiben und nur das zählt.

3 Comments

  1. Jürg Vögeli

    Wir hatten bisher nur freundliche Grenzbeamten erlebt, aber man muss schon wissen, was man ihnen sagen soll, und was nicht. Jetzt kommt dann 2x Airport, dort ist es meist unfreundlicher. Unser VW ist AUF dem Schiff, Seabridge hat die Rechnung schon geschickt! Alles Gute auf der Weiterreise!

  2. Heike Löwer

    Oh my god; angesichts dieser “Willkommenskultur” möchte ich meine Gedanken lieber nicht in Worte fassen🤔😖😁😝

  3. thinka

    Never mess with US authorities, especially not at the border 😉
    Welcome to the home of the free 🎃. Enjoy your stay 🤠
    btw, what was wrong with the canadian tomatoes? 🍅🍅

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