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Indian Summer über Nacht

Die Nachricht von Bruce erreichte uns am Donnerstag, den 13.09.: Für die Bestellung des Injektors benötigt er die Nummer derjenigen, die sich in unserem Motorraum befinden. Daneben wird zum Einstellen des Einspritzzeitpunkts und der -menge eine Software benötigt, über die er nicht verfügt. Und zu all dem gesellt sich, dass er die nächsten 10 Tage zur Hochzeit seiner Tochter in Washington D.C. weilt und kurz danach nach Phoenix, Arizona aufbricht, um sein Winterquartier zu beziehen. Der Schreck über diese Information wirkte nur kurz in uns. Es nahm uns auch den Druck einer weiteren Reparatur und weiterer Kosten.
Sofort beschlossen wir, unseren Aufenthalt auf Kodiak noch eine Woche (bis 21.09.) zu verlängern, nur um einen Tag später das Ganze ernsthaft zu überdenken. Unser USA-Visum läuft in 3 Monaten ab und wir müssen noch den Yukon und British Columbia auf der Nord-Süd-Route durchqueren, bis wir in Seattle wieder auf US-amerikanischen Boden stoßen. Für 20 USD Änderungsgebühr buchten wir um und nahmen die Fähre von Kodiak nach Homer bereits am Freitag, den 14.09.
Was uns nach der 14-stündigen, nächtlichen Fährüberfahrt erwartete, hätten wir in unseren Träumen nicht erwartet. Auf Kodiak ließen die Temperaturen der ersten beiden Septemberwochen die dortigen Temperaturrekorde von 1985 brechen und wir schwelgten im alaskanischen Sommer bei über 20 Grad Celsius. Zurück auf der Kenai Peninsula erwartete uns über Nacht der Indian Summer. Die Farben der hier beheimateten Laubbäume (Eschen, Birken, etc.) sind im September unbeschreiblich schön. Sie heben sich farbenprächtig in gelb und orange, teils in beginnendem rot von den grünen Spruce Trees ab.

Der erste weiße Puderzuckerschnee bedeckt die höchsten Berge Kanadas in den Saint Elias Mountains. Blaue Seenlandschaften treffen auf gelb-grün eingefärbte Uferzonen, ein unwahrscheinlich schöner Anblick.

Mittlerweile (Montag, 17.09.) haben wir den Yukon wieder erreicht (@Olli und Michie: Gern denken wir hier an unser Zusammentreffen zurück).
In 1000 Kilometer Fahrstrecke treffen wir auf höchstens 3 Ortschaften mit 40-100 ganzjährigen Einwohnern. Wir fühlen uns an den Beginn unserer Reise zurückversetzt, als “Closed for the season” ein Standardschild an Campingplätzen, Kaffees und Unterkünften darzustellen schien. Der als Endpunkt unserer gestrigen Reise geplante Platz war bereits mit Schranken verschlossen. Eine Tatsache, die auf unseren Gesichtern in diesen Weiten nur ein Lächeln hervorruft. Eine Ausfahrt weiter verbrachten wir die Nacht direkt neben dem Alaska Highway. Eine unvorstellbare Vorstellung in Deutschland. Im Yukon nur eine weitere einsame Nacht, in der maximal 3 Autos unseren Schlaf gänzlich unbemerkt passieren.
Die Weite der Landschaft trifft auf die Enge unseres Großhirns.

Das Farbspiel und “Brothers in Arms” von den Dire Straits inspirieren uns über das Leben nachzudenken. Was befriedigt und was ist wirklich notwendig für ein glückliches und zufriedenes Leben im Einklang mit sich selbst? Abgesehen vom nötigen Kleingeld scheint eine Holzhütte hier völlig ausreichend.

Das Land bietet alles, was zum Leben notwendig scheint. Wir können die Sonne in unseren Gesichtern spüren, während wir gen Osten fahren. Und allein die Tatsache, dass diese die Erde um die Mittagszeit nur auf 4-7 Grad erwärmt, lässt uns davon Abstand nehmen, uns direkt niederzulassen. Die Farben des Indian Summers sind prächtig und der Yukon präsentiert sich ganz so, wie sein State-Spruch lautet: “Greater than life”.

4 Comments

  1. Jürg Vögeli

    Den Indian summer hätten wir uns in Nova Scotia eigentlich auch erhofft, obwohl wir wussten, dass wir relativ früh da sein werden. Ein paar wenige Bäume haben schon rote und gelbe Blätter, aber sonst ist alles noch grün, die Wiesen allerdings braun und trocken. Die Temperaturen waren bis jetzt sommerlich, wir hatten bis zur Abgabe des VW nie IM Fahrzeug geschlafen, sondern immer unter dem Aufstelldach. Gestern Sonntag waren wir in Halifax im Stadtpark “Spring Garden” der gegenüber dem Frühling voll von schönen Blumen ist, eine Musikkapelle spielte und viele Leute genossen das herrliche Sommerwetter. Enjoy!!

  2. Harald

    Hallo liebe Reisende!

    Das sieht aktuell wirklich SEHR traumhaft aus. Es kann allerdings innerhalb kürzester Zeit dort ziemlich nasskalt werden – ist also gut, wenn Ihr Euch langsam in Richtung Süden aufmacht. In Edmonton (so Ihr dort hinkommt) oder Denver sollte es auch keine Probleme geben, eine VW-Werkstatt zu finden.
    Ich drücke Euch die Daumen, dass der Kutter durchhält.
    Für den ‘richtigen’ Indian Summer solltet Ihr Euch eine schöne Laubwaldgegend suchen. Da wird es dann wirklich knallbunt.
    Viele Grüße

  3. Jörn

    Hallo Anke,
    nachdem wir auch etwas Urlaub gemacht haben, habe ich mich mal wieder bei euch aufgegleist.
    Eure Bilder, gerade die aktuellen, sind toll und erwecken Sehnsucht (obwohl es auch in Europa schöne Ecken gibt).
    Ich drücke euch ganz fest die Daumen für euren Bus und eure weitere Reise, auch damit wir weiterhin so schöne Fotos und interessante Einblicke bekommen.
    Good Luck
    Jörn

  4. Es sind tolle Eindrücke aus dem herbstlichen Nordamerika, die Ihr da mit uns teilt. Das sieht wirklich so aus, wie man es in vielen tollen Berichten schon gesehen hat. Aber das mit eigenen Augen zu sehen, ist noch mal etwas völlig anderes.
    Wenn ich die Zeilen zum VW Bus richtig interpretiere, so ganz klar ist es mir nicht, hat sich Bruce jetzt von Euch für die kommenden Monate in den Süden verabschiedet und Ihr müsst woanders schauen, wie es für Euch weitergeht.
    Aber vielleicht bietet ja eine andere Werkstatt noch einmal neue Erkenntnisse, die bei der Lösung weiterhelfen können. Oder Ihr kommt in einen Modus, “einfach weiterfahren” so lange es noch erträglich ist.
    Auf jeden Fall wünschen wir Euch weiter eine tolle Zeit auf dem Weg gen Süden entlang der Westküste.

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