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Licht am Horizont

Wie so oft ergeben sich die interessantesten Gespräche an unserem derzeitigen Angelplatz am Pasagshak River auf Kodiak. Es war bereits früher Abend, die untergehende Sonne beleuchtete das Meer und die umliegenden Berge wunderschön in rosa und violett, als ein Pickup neben uns parkte. Ein Mann, mit Angel und riesigen Objektiven bewaffnet, stieg aus und wir kamen sofort ins Gespräch. Neben Angeln ist der Pasagshak River sein allerliebstes Fotomotiv. Er erzählte uns davon, dass es auf Kodiak auch nachts viel zu sehen gibt. Und wir – gut ausgeschlafen – machten die Nacht zum Tag, um die “Milky Way” zu bestaunen. Dafür ist Kodiak der ideale Ort, da es sehr wenige Lichtquellen gibt und schon seit Tagen wunderschönes, klares Wetter herrscht.
Wir staunten nicht schlecht, als wir die ersten Blicke in das vermeintliche Dunkle der Nacht warfen:

Wir sehen in der Milchstraße unsere Heimatgalaxie bzw. werfen einen Blick auf einen anderen Spiralarm. Die Zahlen schwanken, aber es dürften sich in der Milchstrasse 100-300 Milliarden Sterne befinden. Jeder dieser Sterne kann wiederum ein eigenes Sonnensystem mit Planeten darstellen. Da diese nicht leuchten, haben wir aber noch nicht viele davon entdeckt (etwa 3000). Und neben unserer Galaxie gibt es noch viele Milliarden weitere. Allein die Zahlen sind unfassbar und wir fragen uns, ob wir wirklich die einzigen Lebewesen in diesem ganzen Haufen sein sollen. Und schon sind wir bei den kleinen, grünen Männchen angekommen. Keine Angst, wir sind nicht auf der Reise irre geworden, vielleicht ein wenig realistischer und vielleicht nehmen wir uns nicht mehr ganz so ernst. Wahrscheinlich eine Folge des langen Schlafens.
Grüne Lichter haben wir aber im Ernst gesehen. Der Hobbyfotograph und Anglerkollege berichtete uns, dass die Nordlichter in der Nacht auf den 11-ten September wahrscheinlich zu sehen sind (klarer Himmel und entsprechender Kp-Index vorausgesetzt). Wir lasen uns erst einmal in die Materie ein, sahen in die Tages- und 30 Minutenvorschau und warteten. Um 23 Uhr wurden wir langsam müde.

Gott sei Dank hielt uns der Microsoft Support noch bis 2 Uhr nachts wach. Unser Office 365 Personal Jahresabo war abgelaufen. Zwar wurde uns in den Office-Produkten eine Verlängerung angeboten, aber der Bestellprozess konnte unsererseits nie abgeschlossen werden, da wir das Abo in Deutschland erworben hatten und uns jetzt in den USA befinden. Wir fuhren daraufhin zum Walmart und kauften ein neues Jahres-Abo (bzw. eine Pappkarte mit freizurubbelndem Produktschlüssel), in der Annahme, dass dies die Lösung sei. Doch weit gefehlt. Nach der Eingabe des Produktschlüssels auf der entsprechenden Internetseite bot uns Microsoft als auszuwählendes Land lediglich Frankreich und als Sprache französisch an. Ich befürchtete das Schlimmste und sah mich schon die wichtigsten Menuepunkte in Word, Excel, etc. auf Französisch auswendig lernen. Daher die Supportkontaktierung zu nächtlicher Uhrzeit, denn er bot nur den deutschen Supportkontakt mit den dortigen Uhrzeiten an. Nachdem ich einen entsprechenden Chat eröffnet hatte, riet mir die Dame nach langwieriger Prüfung unseres Produktschlüssels samt Rechnung, das Netzwerk zurückzusetzen. Ich versuchte ihr zu erklären, dass wir nicht am Netzwerk hängen. Half nicht. Ich setzte es zurück und erwartungsgemäß konnte ich nach wie vor nur Frankreich auswählen. Nach dem Zurücksetzen musste ich den PC neu starten und erhielt dadurch auch einen neuen Chatpartner. Das erwies sich als sehr hilfreich, denn dieser riet mir, die Auswahl Frankreich/französisch einfach vorzunehmen und nachträglich die Installationssprache zu ändern. Es ging dann alles einfacher als gedacht.

Die ganze Aktion rund um die Erneuerung des MS Office Abos ließ uns bis 2 Uhr in der Früh wach bleiben. Da sahen wir hinter uns, Richtung Norden, einen hellen Schein. Da wir auf Kodiak am südlichen Rand des grünen Bandes liegen, ist das Polarlicht nur am nördlichen Horizont sichtbar. Und in dieser Richtung sind auf unserem nächtlichen Schlafplatz Berge und die können wir immer noch nicht versetzen.
Wir fuhren daher los gen Chiniak und hofften von dort eine gute Aussicht zu haben.
Auf dem Weg sahen wir einen weißlichen Nebelstreifen. Das fanden wir ungewöhnlich, waren uns aber nicht sicher. Ich schoss sicherheitshalber ein Foto – und siehe da: Es war ein grünes Band zu sehen. Ein Stückchen weiter hatten wir dann tolle Aussichten auf etwas, was wir beide nie zuvor im Leben gesehen haben: Die Aurora Borealis. In schönsten Farben, teils als bogenförmiges Band, teils als Wirbel, teils in waberndem, diffusem Schimmer. Meist in Grüntönen, aber auch Rot und Violett waren zu erkennen. Ein romantisches Schauspiel, das uns bis 6 Uhr in der Früh und bis zum ersten Kaffee auf dem Weg “nach Hause” in Atem hielt.
Anbei nur eine Auswahl der 100 Bilder, die wir geschossen haben:


4 Comments

  1. Sylvia

    Wunderschöne Bilder 😍

  2. Jürg Vögeli

    Wow, das muss gewaltig gewesen sein, da wäre ich auch wach geblieben! Wir sind auf der Prince Edward Insel gelandet für unsere zweitletzte Nacht im Camper, am Wochenende fahren wir nach Halifax und machen unseren VW transportfertig, am Montag geben wir ihn am Hafen ab. Ich hoffe, das klappt, obwohl wir ja, wie ihr euch erinnern könnt, kein Dokument vom Zoll haben. Ich werde einfach fest behaupten, der Typ am Hafen, von dem wir den rosa Zettel bekommen hatten, habe gesagt, das brauche er. Weiteres, wenn die Hafenprozedur vorbei ist. Grüsse von uns.

  3. Ute Reichel

    Hallo ihr Zwei,
    welch wunderschöne Bilder. Dafür hätte selbst ich in meinem Alter eine Nacht geopfert.
    Ich ( samt Anhang ) wünsche euch weiterhin eine geruhsame, terminfreie Zeit.
    Liebe Grüße und Umarmung
    Ute

  4. Joachim

    Wirklich tolle Fotos! Wäre am liebsten vor Ort;)

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