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Warten auf …

Ja, auf was warten wir eigentlich mit dem Weiterziehen? Vordergründig natürlich auf den neuen Injektor. Wir haben Bruce gebeten, uns einen generalüberholten Injektor zu bestellen und nicht gleich vier neue. Das ganze Set würde neu 1600 USD kosten plus Einbau. Bisher gibt es aber keine Nachricht von Arctic Import und wir hoffen, dass er sich auf diesen Kuhhandel einlässt.
Sobald er uns Bescheid gibt, werden wir Kodiak und nach der Reparatur auch Alaska verlassen müssen.
Hintergründig freuen wir uns aber über die Wartezeit. Irgendwie gefällt es uns hier. Mittlerweile verbringen wir die Angeltage immer am selben Platz (Pasagshak River). Dort packen wir unsere Stühle aus, kochen Kaffee, tauschen uns mit den weiteren Ankömmlingen aus und haben so das ein oder andere wirklich wunderbare Erlebnis.
Letztens habe ich eine kostenlose Unterrichtsstunde im Fliegenfischen erhalten. Von einem Texaner, der als Deckhand auf Booten geangelt hat, die 2 Millionen USD kosten und deren Charterer ihn und andere engagiert hatten, um in Wettbewerben die größten Fische zu fangen. Mein Lehrer war äußerst geduldig, erklärte mir die Theorie, zeigte mir die Praxis und ließ mich dann mit seiner 800 USD teuren Angel probieren. Und das mehr als 1 Stunde lang. Ich denke, die Theorie habe ich drauf. In der Praxis vergaß ich entweder, dass man das Handgelenk nicht abknicken darf, oder ich hatte den falschen Winkel oder (mein größtes Problem) ich warf die Angel in zu schnellem Tempo von vorn nach hinten oder zurück. Mit der Fliegenrute muss man eigentlich warten, bis die Fliege, die sich in 4-8 Metern Entfernung befindet, der Angelrute gefolgt ist. Versucht man mit der Rute zu schnell die Richtung zu ändern, kann die Fliege nicht folgen, man verliert alle Geschwindigkeit und die Fliege fällt einem vor die Füße. Ja, beim Angeln lernt man wirklich warten.
Warten auf Fische ist unser weiteres größtes Hobby geworden. Wir warten immer bei Kaffee und Kuchen, bis die ersten Angler einem Fisch nachjagen. Dann stehen auch wir auf, machen uns gemütlich fertig und gehen an “unsere” Stelle, viel weiter oben im Flussbett. Dort kommen zwar nicht mehr alle Lachse an, da viele bereits an der Flussmündung gejagt wurden und umgekehrt sind oder auch gefangen wurden. Aber die, die oben ankommen, sind für uns aufgrund des flacheren Wassers sichtbar und damit leichtere Beute. Ganz so leicht ist es allerdings auch so nicht. Wenn wir die Fische sehen können, sehen sie auch uns. Und die sind richtig schnell. Und zielen müsste man auch noch können. Thorsten hat hier weitaus mehr Erfahrung und mittlerweile bereits seinen dritten großen Lachs geangelt.


Da 2,4 Kilo Filet uns für einige Tage reichen, haben wir 2 Fische dem hier ansässigen Camphost geschenkt. Und er gab uns dafür einige seiner gerade frisch geräucherten Lachsbites. Ein Genuss sage ich Euch.
Überhaupt ist es total unterhaltsam. Die Texaner schenkten uns gleich Bacardi, samt frischer Limette, Grapefruitlimonade und Eis. Das Ganze natürlich im Kaffeebecher versteckt, denn Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit ist in den USA (und Kanada) nicht erlaubt.
Und jeder, der mitbekommt, wenn unser Kutter schlecht startet und rußt, bietet sofort seine Hilfe an. Mittlerweile sind wir durch den Kutter überall bekannt und uns sprechen Leute an, von denen wir uns fragen, wo wir sie jemals gesehen haben. Aber der weiße Rauch vorn und hinten nach dem Start erregt halt die Gemüter aller (einschließlich meines eigenen. Ich steige mittlerweile immer aus dem Auto aus und gehe ein paar Schritte weg. Thorsten startet dann in aller Gemütsruhe den Wagen und holt mich ab).
Viele von Euch fragen, was unser weiterer Plan ist. Gute Frage. Südamerika in der verbleibenden Zeit zu durchfahren, haben wir gedanklich gestrichen. Dafür sind wir jetzt einfach schon zu lange im Norden. Aber bis Panama zu kommen halten wir noch für möglich. Von dort könnten wir nach erster kurzer Recherche auch zurückverschiffen. Wir werden sehen. Irgendwie hat das Wort “Plan” für uns an Bedeutung verloren. Das mag zum Einen an der Kuttersituation liegen, aber zum Anderen lernen wir auch langsam aber sicher, dass wir gar keinen haben müssen, um unsere Tage zu genießen. Seltsamerweise ist es gar nicht so einfach, keinen Plan zu haben und sich selbst Dinge zu erlauben, die wir im Arbeitsleben so nie in Betracht gezogen hätten. Dürfen wir bis 12 Uhr schlafen, obwohl vormittags die besten Fischzüge sind? Ja! Darf man nach 18 Uhr noch Kaffee trinken, obwohl man weiß, dass man dann nachts nichts so gut schlafen wird? Jaaa! Darf man bei blauem Himmel und Sonnenschein einfach nichts tun? Ja! Darf man insgesamt 5 Wochen auf Kodiak bleiben, obwohl unser eigentlicher Plan Südamerika war? Ja, all das darf man. Obwohl die gesellschaftlichen und vor allen Dingen unsere (meine) eigenen Konventionen dies oft nicht hergeben. Aber wenn nicht jetzt auf der Reise, wann dann? Auf was warten, wenn nicht jetzt?

2 Comments

  1. Olli u. Michi

    Ohne Plan ist immer gut und jaaaa…man darf 😉

  2. Heike Löwer

    Großartig 😄👍✌️🤗
    Als große Schwester bin ich nach diesen Nachrichten von euch begeistert und weiß euch auf einem richtigen Weg 😍
    Gruß&Kuss! Heike

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