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Wir nehmen Abschied

Der Abschied von Kodiak fällt schwer. Sehr schwer! Noch gestern hatten wir kurz über eine weitere Verlängerung unseres Aufenthalts nachgedacht. Aber der Kutterzustand verschlechtert sich zusehends, sodass eine weitere Nachsorge bei Bruce Lee unabdingbar scheint.
Kodiak war für uns eine kleine Heimat geworden. Bei der abendlichen Fahrt zum Übernachtungsplatz sprachen wir immer von “nach Hause fahren”, so schön war es hier. Die Angelplätze sind super idyllisch, die Landschaft ist wunderbar.

Vorgestern schauten wir beim Kartenspielen aus dem Busfenster und trauten unseren Augen nicht. Ein einsamer Bisonbulle erschien über der lichten Kuppel ungefähr 50 Meter vom Kutter entfernt. Das nächste Mal als wir aufblickten war die ganze Herde da, insgesamt 50 Bisons inklusive Kälbchen. Ein wunderbar einsames und schönes Erlebnis.

Und dann kommen die Lachse dazu: Silberlachse und Pinks. Gepaart mit Bären, die am selben Fluss nach Nahrung suchen wie wir. Das lässt sich nicht beschreiben.
Wir sind auf Kodiak mit seinen 100 Meilen Straßennetz über 2000 Kilometer gefahren und haben es nicht einmal geschafft, alles zu sehen. Abends haben wir oft dieselbe Runde gedreht: Vom Süden der Insel bis fast oder manchmal auch bis nach Kodiak Stadt und zurück. Nur um die Bären zu sehen, die Weißkopfseeadler und die wunderschöne Landschaft im Abendrot.
Das Glück ist uns auch beim Angeln hold geblieben.
Ich hatte das zweite Mal auf Kodiak eine 3-Tages Angelkarte gekauft, oder besser Thorsten hat sie mir geschenkt. Und an Tag 2 angle ich doch einen Riesen Silberlachs!

Ich verstehe nichts von der Angeltechnik, habe nichts analysiert und nichts gedacht. Und ziehe den Fisch einfach raus. Was irgendwie eine Kunst ist, denn die meisten Lachse entwickeln an der Angel so eine Kraft, dass viele Angler einschließlich der First Nations den ganzen Creek bis zur Meeresmündung nach unten rennen müssen, bis der Fisch müde wird.

Thorsten und ich waren so erschrocken, dass wir es gar nicht fassen konnten. Den Fisch haben wir im Anschluss gleich an einen Native verschenkt. Er überschritt die Größe unserer Kühlbox geschweige denn unseres Appetits bei Weitem. Einen Tag später schenkte uns dafür ein benachbarter Angler 6 Filetstücke. So ist es ein Geben und Nehmen, das wunderbar ist.
3 Tage später hatte auch Thorsten seinen Riesenlachs an der Angel.

Nachdem er mit einem bereits den ganzen Creek hinuntergelaufen war, um dann an Land festzustellen, dass der Haken nicht im Maul hing und ihn freilassen musste. Und ich habe dieses Schauspiel verpasst, da ich gerade frischen Kaffee kochte. Aber dann, nach vielen Interviews der Einheimischen bezüglich korrekter Technik, den richtigen Haken und dem richtigen Zeitpunkt, ging ihm ein 12 Pfund schwerer Kerl an den Haken. Ich habe extra die Waage aus dem Auto geholt und unsere Goldwaschschüssel. Der Lachs war so groß, dass wir ihn sonst nicht hätten wiegen können. Er wurde anschließend noch vermessen. Stolze 80 Zentimeter vom Kopf bis zum Schwanz!
So lernte jeder von uns das, was ihm im sonstigen Leben wohl manches Mal zu fehlen scheint: Ich habe nichts analysiert, gedacht und abgewägt, war einfach nur im Gefühl und schon klappte es mit dem Lachs. Und Thorsten, der sonst alles nach Bauchgefühl macht, hat gefragt, analysiert, getestet und dann Erfolg gehabt. Wirklich wunderbar, was man in der nonverbalen Angeltherapie so lernen kann.
Und wie schrieben unsere Mindener Bekannten heute: Man soll gehen, wenn es am Schönsten ist.
Wiederkommen ist ja erlaubt.

3 Comments

  1. Cordula

    Hallo ihr beiden, ich dachte, ich habe so lange nichts mehr geschrieben….da wird es mal wieder Zeit. Dass ich so lange nichts habe von mir hören lassen, hat mehrere Gründe, aber einer der Hauptgründe ist, dass mich eure Beiträge meist einfach sprachlos machen. Und nicht nur das. Manchmal sitze ich da, mit Pipi in den Augen, so bewegt bin ich von euren/Ankes Beiträgen. Ich wünsche euch noch eine wundervolle Zeit und viele neue Erfahrungen.
    So, jetzt gehe ich gleich mal die Lottozahlen kontrollieren……

  2. Sylvia

    So ein wunderschönes Abschiedsbild 😍
    Schade, dass euer Kutter so spinnt 😩 Man liest aus jeder Zeile wie gerne ihr noch dort geblieben wäret.
    Dann hoffe ich mal, dass Bruce‘s Magie endlich wirkt 😄
    Liebe Grüße
    Sylvia

  3. Jürg

    Hi, ihr Kodiakbären! Es ist wohl besser, frischen Lachs zu essen, als den, den ich gestern hatte: Lachs von den Färöer-Inseln, warum auch immer, aber mit nächtlichen Folgen… Wir sind gespannt auf eure Weiterreise, resp. was mit eurem VW noch (hoffentlich) alles geht oder eben nicht. Wir sind inzwischen in Vermont angelangt, haben noch drei Wochen, bis wir den VW in Halifax abliefern. Herzliche Grüsse Jürg und Trix

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