Skip to content

Weg vom Luxus hin zum Stacheldraht

Nachdem uns Kendall Volkswagen am Freitag, den 13.07. mitteilte, dass

  • 1,5 Arbeitstage nicht reichen um ein Service-Bulletin aus Deutschland anzufordern,
  • wir unseren Bus über das Wochenende vom Gelände weg- und nach Eintreffen des Handbuchs nächste Woche wieder hinschleppen müssen,
  • und erst dann die Analyse beendet werden und zusammengestellt werden kann, welche Teile benötigt werden,
  • um danach einen realistischen Zeitrahmen (bis zu 4 Wochen) abzuschätzen, in dem die Ersatzteile beschafft werden können,

waren wir stinksauer!
Zahlen mussten wir die nicht abgeschlossene Analyse natürlich dennoch. Auf der Rechnung stand eine Zusammenfassung der durchgeführten Arbeiten, die weder grammatikalisch noch inhaltlich Sinn machte. Der nette junge Mann am Servicedesk erklärte dazu, dass er die Handschrift des Mechanikers nicht lesen konnte. Er versuchte die fehlenden Textteile handschriftlich zu ergänzen – jetzt machen sie noch weniger Sinn.
Wir packten also unseren kaputten Spanngurt ein und machten uns auf den Weg zu 2 weiteren Reparaturwerkstätten, die wir im Internet ausfindig gemacht hatten und zu Fuß erreichbar waren.
Die erste erklärte, dass der einzige Mechaniker, der sich mit europäischen Fahrzeugen auskennt, jetzt bei Volkswagen arbeitet (ahaaa!!!?).
Arctic Import & Repair, die zweite aufgesuchte Werkstatt, war dafür eine sehr positive Überraschung an diesem schwarzen Freitag. Als wir Ihnen unsere Geschichte erzählten und gleich dazu sagten, dass VW die Analyse nicht abschließend durchführen konnte, lachten sie. Als wir ihnen den kaputten Keilriemen aushändigten, ging der erste gleich ans Telefon und orderte einen entsprechenden Riemen. Gleich danach kam ein erster Mechaniker und las den unverständlichen Analysebericht von Kendall mit einem Kopfschütteln. Er sprach den ersten pragmatischen Satz des Tages: Dass sie zunächst einen neuen Keilriemen aufziehen und die durch das Schmelzen des alten verunreinigten Teile reinigen würden. Und von da aus weiter schauen, ob damit schon wieder alles funktioniert, oder ob noch weitere Teile in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Auch unsere Frage, ob wir im Hof übernachten können, wurde gleich positiv votiert.
Wir riefen daher den Abschleppdienst an, der für die 1 Meile fahren gleich wieder 65 USD verlangte und stehen seitdem vor Stacheldraht. Die Aussicht ist also nicht die Beste und auch die Gebäude unterscheiden sich wesentlich zwischen dem erst vor 3 Monaten fertiggestellten Volkswagen/Audi/Porsche-Gebäude, welches auf Hochglanz poliert und innen nur vom Feinsten ausgestattet ist (einschließlich weißen Ledersesseln, Getränke- und Snackversorgung) und der schon etwas in die Jahre gekommenen Halle von Arctic Import.

Der Stacheldraht ist allerdings nicht das einzige Schlimme. Weit schlimmer ist, dass wir direkt unterhalb der Abflugroute des Flughafens von Anchorage stehen. Die Geräuschkulisse ist wirklich unsäglich und ein Nachflugverbot gibt es nicht:

Aber als wir ankamen, lag ein Stromkabel für uns bereit und es waren 2 Parkplätze für uns freigeräumt worden. Auch Bruce, den Besitzer, haben wir kennengelernt. Unser Kutter war noch nicht richtig abgeladen, da hatte er schon die Motorhaube geöffnet und seinen Arm bis zur Schulter in unserem Motorraum versenkt. Er ist seit 1974 im Geschäft, hat studiert und nur nebenher mit Autoreparaturen sein Geld verdient. Nach Abschluss des College wurde aus dem Nebenverdienst dann sein Hauptberuf. Ein Glück für uns. Auf dem Hof stehen einige Volkswagen-Busse, wenn auch ältere Modelle.
Den Keilriemen hatten sie auch schon besorgt, während wir unseren Kutter bei VW abholten. Montag, 16.07. werden sich die Mechaniker unseren Bus also zur Brust nehmen.
Bruce hinterließ uns auch seine Telefonnummer für Notfälle (wie lieb von ihm!) und sagte, dass wir selbstverständlich auch alle Facilities (Toiletten, Wasser, Strom, etc.) nutzen können, solange die Werkstatt geöffnet hat. Wir haben uns unbeschreiblich über diese gastfreundliche Aufnahme gefreut und sind schon gespannt, was der morgige Tag bringen wird.

Nicht zuletzt möchten wir uns aber auch bei Euch allen danken, die ihr uns mit Kommentaren und auf anderen Kanälen Mut und Zuversicht zugesprochen, sowie Hilfe angeboten habt. Ihr glaubt nicht, wie gut das hier in der Ferne tut. Nur ein paar Worte machen den Unterschied, um von hängenden Köpfen wieder in erwartungsvollen Optimismus zu verfallen oder zumindest das tatenlose Wochenende gut zu überstehen. Habt ganz, ganz lieben Dank dafür. Ihr seid die Besten!

5 Comments

  1. Ute Reichel

    Hallo ihr Beiden,
    das hört sich doch gut an. Das Daumendrücken hat offensichtlich gewirkt.In Gedanken ist die Familie zur Unterstützung stets bei euch, der nette Werkstattbesitzer wird das Handwerkliche zu eurer Unterstützung tun. Fragt ihn doch nach weiteren zu empfehlenden Adressen im “Land”, nur für alle Fälle.
    Mainz grüßt ganz herzlich und wartet auf erfreuliche Nachrichten.

  2. Jürg

    Hi ihr zwei, ich versuche mich in Rupert auf dem Laufenden zu halten, wie die Reparatur vor sich geht und drücke euch weiterhin die Daumen!
    Jürg

  3. Jörn

    Hallo Anke,

    das hört sich ja schon etwas besser an, klingt nach pragmatischem explorativen Test 😉

    Du weisst ja: am Ende wird alles gut und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!

    Viel Erfolg, ich drücke die Daumen und viele Grüße
    Jörn

  4. Harald

    Na, dann drücke ich doch mal die Daumen, dass das jetzt so klappt, wie gewünscht! Auf jeden Fall hört sich das besser an, als das, was die tatsächliche VW-Werkstatt von sich gegeben hat. Die hatten wohl keine Lust :-(.
    Deckt sich aber mit meinen Erfahrungen: Meistens strengen sich die kleinen ‘Freien’ mehr an, als die Vertragswerkstätten, da die mehr um ihre Kunden kämpfen müssen.
    Auf jeden Fall mal: Viel Erfolg, damit der Traum weiter gehen kann.

  5. Heike Löwer

    Ihr Lieben,
    eure Weltreise ist eine Reise durch die Welt der Natur, eine Reise durch die Welt der Erfahrungen, eine Reise auf oder neben der Panamericana, eine Reise durch die Welt der Gefühle von A wie Aufregung bis Z wie Zorn; dazwischen bleiben lauter lohnenswerte Begegnungen und Momente! Eine Weltreise heißt nicht, so schnell wie möglich so viele km wie möglich abzuarbeiten, oder? Insofern seid ihr doch “super drauf” :)), auf eurem Weg! Bisher habt ihr alles bewältigt; und vielleicht solltet ihr zwischen den Problemzeiten einfach mal euren Blog lesen: das motiviert unglaublich – und ermöglicht selbst im abgelegenen, ziemlich weit von Weltreise entfernten Waldrode große, wenngleich innere Mitreisen 😉😃

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

* Checkbox GDPR is required

*

I agree

Cookie-Einstellung

Bitte treffen Sie eine Auswahl. Weitere Informationen zu den Auswirkungen Ihrer Auswahl finden Sie unter Hilfe.

Treffen Sie eine Auswahl um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Hilfe

Hilfe

Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Volle Funktionalität:
    Jedes Cookie wie z.B. Tracking- und Analytische-Cookies (Third-Party-Cookies)
  • Eingeschränkte Funktionalität:
    Nur Cookies von dieser Webseite (First-Party-Cookies)
  • Keine Kekse:
    Es werden keine Cookies gesetzt, es sei denn, es handelt sich um technisch notwendige Cookies.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Impressum/Disclaimer/Datenschutz.

Zurück