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Sooner or later

In Palmer hatten wir uns auf dem Farmers Market zwei CDs von Larry Zarella zugelegt. Nach 2 Monaten Peter Maffay rauf und runter haben wir uns über Dire Straits zu diesem US-Singer und Songwriter vorgearbeitet. Unser derzeitiges absolutes Lieblingslied ist “Great Land”, in dem er von der Schönheit Alaskas singt und vom “Fishing Hole”, in dem er “sooner or later will catch some fish”.
Daraus ist unser derzeitiges Tagesmotto geworden. Es gilt für Vieles: für das Lachsangeln wie für unsere Reise überhaupt. Wir haben aufgehört, der Panamericana hinterher zu hetzen und bleiben, wo es uns gefällt für wie lange es uns gefällt. Entweder wird die Reise dann insgesamt länger (was ich wegen der Kosten und Sylvia ausschließen würde) oder sie geht eben nur bis z.B. Panama. Wir werden sehen. Ab und an verfolgen wir den Blog der VW-Bus Fahrer, die auch die Panamericana fahren wollen und die wir im Jasper National Park getroffen haben. Sie starten immer spätestens um 08:30 Uhr und fahren täglich 400-600 Kilometer. Sie waren bereits aus Alaska zurück als wir noch den Dempster Highway in Kanada fuhren. In diesem Tempo kann man die Panamericana sicher in einem Jahr schaffen. Aber wollen WIR das? Wir möchten (endlich) mal nichts schaffen, keinem Tagesplan unterliegen und wenn überhaupt dann unserem eigenen Tempo folgen, nicht dem der Straße.
Und so folgen wir momentan auch dem Tempo der Lachse. Diese ziehen in ihrem “first run” nach 6 Jahren Lebenszeit den Kenai River hinauf. Es ist nur Fliegenfischen erlaubt. Es darf also nur mit einem Haken und auch nicht mit anderen Ködern als Fliegen geangelt werden. Die Fliegen sind natürlich nicht echt, sondern eine Art Fadenwedel, der den Haken verdeckt. Die Angelschnur wird in einer Art Lassowurf um den Angler herum und vor sich geworfen und sinkt durch ein Stück Blei 40 cm oberhalb des Hakens in der Strömung langsam nach unten. Soll so im offenen Maul der Lachse landen, die stromaufwärts ziehen. Und da Angler neben Angler steht, müssen es alle im selben Rhythmus tun.

Soweit die Theorie. Diese haben entweder wir oder die Lachse noch nicht ganz verstanden. Gestern landete der Haken beim Lassowurf mehrere Male in der Bommel von Thorstens Mütze. Wie gut, dass er eine anhatte.
Wir haben unsere derzeitige Strategie geändert und fahren mit der Russian River Ferry ans gegenüberliegende Ufer. Das kostet 12 USD für einen 24h Parkplatz und pro Person 11 USD für die Fähre. Eine weitere Verteuerung des einen Lachses, den wir sooner or later fangen werden. Auch die Ausrüstung wurde aufgewertet: Thorsten verfügt jetzt über Wathosen oder besser gesagt sehr lange Gummistiefel? Damit kann er wie alle anderen ein Stück in den Fluss hineinwaten und die Angel so tiefer ins Flussbett treiben lassen.

Ich schätze, die Kosten für den ersten Lachs belaufen sich auf ca. 400 USD (allein 245 davon belaufen sich auf die Angellizenz). Mit jedem weiteren Fisch wird es dann günstiger. Sooner or later.
Sooner or later werden wir auch wieder einmal eine größere Stadt aufsuchen müssen. Cooper Landing ist sehr klein und auch die benachbarten Örtchen Moose Pass und Sterling sind ausschließlich auf Angelbedarf eingerichtet. Die beiden kleinen Groceries in der Nähe verfügen nur über das Notwendigste. Was zu dem “Notwendigsten” gehört, unterscheidet sich allerdings zwischen USA und Deutschland. Immer verfügbar sind Eier und Speck. Klar! Auch Bohnen in Dosen, Chili, Spaghetti und Riesengläser voll Tomatensauce, die eine 10-köpfige Familie ernähren könnten. Sämtliche Variationen an tiefgefrorener Pizza sind auch existent, genauso wie Donuts und Dogs (einem mit Teig fritierten Würstchen). Aber was Fleisch und Wurst, sowie Brot (und hier meine ich richtiges Brot, nicht das, was sie hier Brot nennen), oder gar frisches Obst und Gemüse sind absolute Mangelware. Das gilt natürlich nicht für größere Städte, sondern hier auf “dem Land”. Ich frage mich wirklich, was die Bevölkerung hier außer Fertiggerichten isst. Lachs womöglich?
Heute Morgen haben wir also wie folgt eingekauft: Tiefgefrorenes Hähnchen (immerhin), das jetzt in unserer Kühlbox langsam auftaut. Einen Salatkopf (das einzige Gemüse, das wir finden konnten), 2 Äpfel (sonst gab es kein Obst), 12 Eier, eine 3er Variation Truthahnwurst und Kaffeemilch. Daraus werden wir 4 Essen zaubern: Salat, Hähnchencurry, Eier mit Speck und einmal Brot mit Wurst.
4 Tage haben die Lachse also noch Zeit, uns sooner or later ins Netz zu gehen.

2 Comments

  1. Sylvia

    Nein, nein, nein, eine Verlängerung kommt gar nicht in Frage *schnappatmungbekomm*. _Ich_ würd ja sogar eine Verkürzung bevorzugen, aber ich fürchte, _dazu_ werd ich dich nicht überreden können (nach allem, was ich so lese) 😋
    Aber 2 Monate Peter Maffay ist schon hardcore. Wenn man das überlebt, dann überlebt man alles 😄
    Ich stelle fest, ich muss irgendwann in die USA: Eier und Speck, davon könnt ich Wochen leben 😄😄😄😄
    Liebe Grüße und möge der erste Lachs bald anbeißen
    Sylvia

  2. Harald

    Vielleicht solltet Ihr Euch überlegen, einen Bären zu schießen, um ihm seinen gerade gefangenen Lachs abzunehmen :-)!

    Das ist das Schöne an so einer Reise: Man kann sein eigenes Tempo gehen. … und wenn man keine Lust mehr hat, dann hört man einfach auf. Trotzdem wünsche ich noch viel Spaß und viele neue Erfahrungen.
    Peter Maffay tatsächlich zwei Monate lang zu ertragen – puh, das würde ich nicht schaffen.

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