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Wir überqueren den Polarkreis

Seit Montag, 04.06. sind wir von Dawson aus auf dem Dempster Highway Richtung Norden unterwegs. Donnerstags sind wir immer noch nicht oben. Wahnsinn, der Dempster Highway.

Als Straße von Küste zu Küste gedacht, war es ein Projekt, das keine kommerziellen Zwecke verfolgte, sondern lediglich Prestige. So dauerte es auch mehr als 20 Jahre bis zur Fertigstellung und die letzten 140 Kilometer bis Tuktoyaktuk wurden erst letzten November eröffnet. Die Straße ist im Durchschnitt 1,8 Meter höher gelegt als seine Umgebung. Wie schwierig die Bauphase gewesen sein muss, konnten wir uns unterwegs lebhaft vorstellen. Weite Teile der Straße sind dem Permafrost ausgesetzt, der wenn er in den obersten Schichten antaut, instabil wird. Das geht so weit, dass hier in Inuvik alle Gebäude auf Stelzen stehen, die tief in die Erde gebohrt wurden. Wasser und Abwasser werden über überirdische Rohre von einem Haus zum nächsten geleitet, so dass ein riesiges Rohrsystem die Stadt durchzieht. Nur so wird sichergestellt, dass keine Wärme den Boden erreicht, der sich sonst aufzuwärmen droht. In diesem Fall würden die Gebäude im Schlamm versinken.

Der Dempster ist eine über 800 Kilometer lange Schotterstrasse und ich finde die Bezeichnung “Highway” dafür nach wie vor lustig. Gott sei Dank ist nicht allzu viel Verkehr hier oben. Denn wenn Verkehr ist, dann ist dieser schon meilenweit vorher durch eine Staubwolke zu identifizieren. Diese hinterlassen wir selbst auch in genügend großer Form:

Wenn uns jemand überholt, ist mehrere 100 Meter weit nichts mehr zu sehen und wir müssen fast stoppen. Und wenn wir etwas sehen, gilt es den Schlaglöchern auszuweichen, was nicht immer gelingt. Das letzte hatte als Ergebnis einen Stein (?), der sich irgendwo (Bremsscheibe, Bremsbeläge, dazwischen?) verklemmt hatte. Das Geräusch, das er erzeugte, war ohrenbetäubend, wie ein sehr lautes metallisches Schleifgeräusch. Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob der Stein oder die Bremse oder ein anderes wichtiges Teil unseres Autos abgeschliffen wurde und hoffe auf das Beste. Wir fuhren ein paar Kilometer mit diesem Geräusch vorwärts, dann auch mal rückwärts, traten in voller Fahrt auf die Bremse und versuchten das Ding loszuwerden. Alles half nichts. Wir waren schon im Begriff, uns eine flache Stelle zu suchen und das Auto mit dem mitgebrachten Wagenheber hochzubocken, als das Geräusch plötzlich aufhörte. Gott sei Dank.

Die Landschaft, die uns rechts und links neben dem Dempster erwartet, ist allerdings allen Staub und allen Schotter wert. Ich glaube ich habe noch nie ein so schönes “Nichts” gesehen, eine unvorstellbare Weite, ohne Menschen, Orte, weitere Straßen, Flugzeuge oder andere Zeichen der Zivilisation. Viele, viele Bergketten, farbige Sandsteine, von Mineralien orange gefärbte Flussbetten und -uferbereiche, schlafende Grizzlies am Straßenrand und sonst nur wir.

Und dann überfuhren wir irgendwann den Polarkreis, den südlichsten Kreis um die Erde, an dem es ab 22. Juni nicht mehr dunkel wird. Die Sonne geht dann nicht mehr unter und seit ein paar Tagen haben wir bereits das Gefühl, dass es nachts taghell ist.
In Inuvik trafen wir Monika und Klaus aus Minden wieder, die gerade über die letzten Stunden den Innenbereich ihres VW-Busses von diversen Staubschichten befreit hatten. Mit ihnen verbrachten wir noch einen schönen Abend bei einem Glas Wein und guten Gesprächen bis in die (taghelle) Nacht.
Gott sei Dank ist unser Kutter bis auf eine Ausnahme dicht: Da wir nicht über einen Abwassertank verfügen, geht das Wasser aus der Spüle direkt nach draußen. Und von da aus kommt während der Fahrt der Staub wie aus einer Pressluftpistole auch wieder hinein. Gestern traf mich fast der Schlag, als ich auf die Glasplatten der Spüle und der Herdplatten schaute. 5 Millimeter mit rotem Staub bedeckt und drin sah es nicht anders aus. Gott sei Dank war das der einzige Staubfleck im Kutter und seit gestern fahren wir mit Stopfen in der Spüle, was eine Wiederholung verhindert (und hoffentlich nicht zum Zusetzen des Rohrs führt)…
Wir fahren weiter nach Tuktoyaktuk, zu dem für uns erreichbaren nördlichsten Punkt am arktischen Ozean.

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